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PRESSEMITTEILUNG |
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Unabhängige Seelotsen dienen der Sicherheit in der Schifffahrt und dem Schutz der Umwelt Das deutsche Lotswesen ist Ergebnis einer langen Entwicklung
Das deutsche Seelotswesen hat eine lange Tradition. Die heutige Struktur ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen Entwicklung, die ihren Abschluss im Seelotsgesetz von 1954 fand. Dort heißt es: „Seelotse ist, wer nach behördlicher Zulassung berufsmäßig auf Seeschifffahrtsstraßen außerhalb der Häfen oder über See Schiffe als orts- und schifffahrtskundiger Berater geleitet.“ Der Rat der Seelotsen ist besonders in engen und schwierigen Fahrwassern gefragt auf Meeren, Flüssen und Kanälen. Sie geleiten das Schiff durch Untiefen und Gefahren. Sie helfen dem Kapitän, auch bei schlechtem Wetter, Nebel, Sturm und Eisgang sicher das Ziel zu erreichen. Die Seelotsen sehen sich in erster Linie der Sicherheit der Schifffahrt und dem Schutz der Umwelt verpflichtet. Erst an zweiter Stelle rangiert die betriebswirtschaftliche Dienstleistung an das Schiff. Nicht von ungefähr sieht das Seelotsgesetz vor, dass die rund 800 deutschen Seelotsen freiberuflich tätig sind. Somit kann der Lotse seine Entscheidungen frei von wirtschaftlichem Druck fällen. Gleichwohl erfüllen die Lotsen durch die Einbindung in das Sicherheitskonzept der Reviere eine öffentliche Aufgabe, ihr Beruf ist daher staatlich gebunden. Das deutsche Seelotsgesetz ist das einzige Gesetz dieser Art, das ins japanische und chinesische übersetzt worden ist. Korea, Taiwan und andere Staaten ziehen es als Vorbild für eigene Vorschriften heran. Das Wort „Lotse“ kommt aus dem althochdeutschen und bedeutete ursprünglich „Leytsman“. Bereits im 14. Jahrhundert betätigten sich Fischer als erste Lotsen. 1656 trat die „Hamburger Pilotageordnung“, die älteste deutsche Lotsordnung, in Kraft, die erstmals eine staatliche Zulassung für den Lotsen vorschrieb. Zusammengeschlossen sind die Lotsen in Brüderschaften. Sie organisieren die ständige Verfügbarkeit der Lotsen im Rahmen einer Selbstverwaltungsaufgabe. Mit der so genannten „Reihenbört“ wird zuverlässig sichergestellt, dass die Schifffahrt jederzeit einen für das Revier qualifizierten Lotsen erhalten kann. Dieses System läßt sich mit der Arbeitsweise an einem Taxistand vergleichen: Wer als Lotse ganz vorne steht, bekommt das nächste zu lotsende Schiff. Wenn er seinen Dienst an Bord beendet hat, stellt er sich hinten wieder an und rückt immer weiter nach vorn, bis er erneut an der Reihe ist. Jeder deutsche Seelotse hat das höchste nautische Patent (Kapitän auf Großer Fahrt) und somit selbst eine lange Fahrenszeit hinter sich. Er durchläuft zusätzlich eine intensive Ausbildung für sein zukünftiges Revier. Anschließend sammelt er in diesem Revier über mehrere Jahre Erfahrungen, bevor er Schiffe jeder Größe lotsen darf. In der Regel übergibt der Kapitän dem Lotsen die nautische Führung des Schiffes. Der Lotse manövriert dann das Schiff, gibt die Kurse, Ruderlagen und Geschwindigkeiten an und überwacht regelmäßig deren Einhaltung. In allen nautischen Fragen ist er für die Schiffsführung der kompetente und sachkundige Ansprechpartner. Er ist die einzige Bezugsperson, die auf entstehende Konfliktsituationen reagieren kann. Dank der Lotsen an Bord ist die Unfallrate in den Revieren auf ein absolutes Minimum gesunken, obwohl sich die Größe der Schiffe, die in den deutschen Gewässern verkehren, in den letzten 20 Jahren verdoppelt hat. Tiefgang und Breite reizen die Fahrrinnen bis an die äußersten Grenzen aus. Wo sich Schiffe in den engen Fahrwassern begegnen, vergrößert sich die Gefahr von Unfällen erheblich. Stark reduzierte und teilweise schlecht ausgebildete Besatzungen, die nicht selten übermüdet ihren Dienst antreten, erhöhen das Unfallrisiko zusätzlich. Um diese Gefahren zu minimieren, sind Weitsicht und Augenmaß von revierkundigen, erfahrenen und unabhängigen Seelotsen unverzichtbar. Lotsen sind ständig abrufbar und rund um die Uhr im Dienst, an 365 Tagen im Jahr, auch über die Reviergrenzen hinaus. Sie kennen keine geregelte Arbeitszeit und können sich in ihrer Freizeit kaum etwas vornehmen. Zwei Drittel der Einsätze spielen sich nachts, an Wochenenden oder an Feiertagen ab. Die Dauer des einzelnen Lotseinsatzes schwankt zwischen sechs Stunden und zwei Tagen. Körperliche Fitness ist eine wesentliche Grundvoraussetzung für die Lotsen, um ihre Arbeit unfallfrei erledigen zu können. Regelmäßige, strenge Gesundheitsschecks sind daher ein absolutes Muss. Die Altersgrenze liegt derzeit bei 65 Jahren. Das Einkommen der Lotsen hat sich bisher an der Entwicklung des Kapitänsgehalts orientiert. Eine Lotsannahmepflicht besteht grundsätzlich für alle großen Massengutschiffe, Öl-, Gas- und Chemikalientanker sowie alle Schiffe ab 90 Meter Länge bzw. 13 Meter Breite. Damit der rechtzeitige Einsatz des Seelotsen sichergestellt werden kann, geben die Schiffe eine ETA-Meldung ab. ETA steht für Estimated Time of Arrival, die geschätzte Zeit der Ankunft. Das Absetzen der Meldung geschieht in der Regel 3 bis 24 Stunden vor Ankunft am Versetzpunkt. Dabei werden Ankunftszeit, Größe und Tiefgang des Schiffes an die jeweilige Lotsenstation übermittelt. Auf der Grundlage des Seelotsgesetzes gibt es sieben Lotsreviere: Emden, Weser II/Jade, Weser I, Elbe, NOK I, NOK II/Kiel/Lübeck/Flensburg und Wismar/Rostock/Stralsund. Zum Lotsrevier Elbe zählt auch der meistbefahrene Schifffahrtsweg der Welt: die Elbmündung vor Cuxhaven. Das Lotsrevier Elbe umfaßt eine Gesamtlotsstrecke von rund 90 Seemeilen und reicht von Tonne E 3 querab Helgoland bis hin zur Grenze des Hamburger Hafens, dem größten deutschen Seehafen und zugleich siebtgrößten Containerhafen der Welt. Jährlich führen hier rund 270 Elblotsen durchschnittlich 45 000 Beratungen durch. Seelotsen klettern nicht nur über eine Lotsenleiter an Bord. Sie lassen sich auch per Hubschrauber aus der Luft an Deck abseilen. Im allgemeinen wird die Lotsenberatung an Bord eines Schiffes vorgenommen. Bei schlechter Sicht beraten Lotsen zusätzlich in den Radarzentralen von Land aus die Schiffsführung über Funk. Die Arbeitsbelastung der deutschen Seelotsen ist in den letzten Jahren vor dem Hintergrund des wachsenden Güterumschlags in den Seehäfen ständig größer geworden. Allein auf der Unterelbe ist die Durchschnittsgröße der zu lotsenden Schiffe von 1992 bis 2002 um 11 371 BRZ auf 15 262 BRZ gewachsen. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Seelotsen von 947 auf 750 verringert. Sie leisten ihren Dienst im Auftrag des Bundes. In den Bremischen Häfen und im Hamburger Hafen sind etwa 100 Hafenlotsen tätig, die unter der Aufsicht der Küstenländer arbeiten. Auch sie sind wie Seelotsen in Brüderschaften organisiert. Den größten Zusammenschluss bilden die Hamburger Hafenlotsen mit mehr als 60 Mitgliedern.
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